Als Johann Sebastian Bach 1723 zum Leipziger Thomaskantor gewählt wurde, kam auf ihn viel Arbeit zu. Dazu zählte die Arbeit mit dem Thomanerchor ebenso wie eine umfangreiche kompositorische Tätigkeit, erwartete man doch von ihm jeden Sonntag eine Kantate und zu hohen Festtagen wie dem Karfreitag besondere Kompositionen. Nachdem bereits 1724 die Johannes-Passion entstanden war, schrieb Bach 1729, vielleicht auch schon 1727 die Matthäus-Passion. Sie zählt wie auch seine anderen Passionen zu den „Oratorischen Passionen“ und ist auf drei Textebenen aufgebaut:
Bibeltext (Rezitative, Volksmenge „Turbae-Chöre“) - objektive Ebene
Freie Dichtung (Arien, Eingangs– und Schlusschöre beider Teile) - subjektiv, auslegend, betrachtend
Choräle - Äußerung der Gemeinde, Anteilnahme, Gebet
Die freie Dichtung sowie die Zusammenstellung der verschiedenen Textebenen stammen von Picander, wohl in sehr enger Zusammenarbeit mit Bach. Picander verwendet in seinem Text zwei allegorische Figuren:
Die „Töchter Zions“ sind ein Bild für Gottes Volk, für die Kirche, die Gemeinde. Die „Tochter Zion“
begegnet uns zum Beispiel auch im Adventslied „Tochter Zion, freue dich“. Das Bild von Jesus als dem „Bräutigam der Kirche“ hat seine Wurzel im „Hohenlied“ Salomos und findet sich auch im Gleichnis der klugen und der törichten Jungfrauen.
Das Matthäus-Evangelium hat ein eigenes theologisches Profil: Es entstand ca. 60 Jahre nach Jesu Tod für eine griechisch-sprachige Gemeinde von Juden- und Heidenchristen. Jesu Worte werden immer wieder in Beziehung zum Alten Testament gesetzt (Zitate); Das Alte Testament findet Erfüllung im Neuen Bund. Die Passionsgeschichte bei Matthäus schildert Jesus als einen mit Gott ringenden Menschen, demgegenüber steht z.B. bei Johannes mehr die Verherrlichung des Gottessohnes im Mittelpunkt, der würdevoll den Weg ans Kreuz geht.
Ausführende:
- Viola Blache (Sopran)
- Sarah Romberger (Alt)
- Georg Poplutz (Tenor)
- Jens Hamann (Bass/Christusworte)
- Julian Redlin (Bass)
- Bach-Chor der Johanniskantorei
- Barock-Orchester „arcipelago“ Aachen,
- Leitung: Christiane Volke
- Leitung: Friedemann Engelbert
Einlass ab 15.15 Uhr
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